Google setzt europaweit die Auswertung von Mitschnitten seiner Sprachassistenten durch Menschen aus. Zunächst für drei Monate, danach muss die irische Datenschutzbehörde eingreifen.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat im Streit mit dem Internetgiganten Google einen Teilsieg errungen. Casper leitete kürzlich ein Verwaltungsverfahren gegen den Konzern ein, um das Abhören und Abtippen von Sprachaufnahmen durch Menschenhand zu untersagen. Daraufhin teilte Google gestern mit, bis Oktober 2019 freiwillig auf die Auswertung von Sprachaufzeichnungen durch Google-Mitarbeiter oder externe Dienstleister zu verzichten. Wie es nach Oktober weiter geht, hängt zum einen von der irischen Datenschutzbehörde und zum anderen von Google selbst ab. Denn Caspar kann die Praxis maximal für drei Monate aussetzen, danach sind die irischen Datenschützer für das weitere Vorgehen verantwortlich, da der US-Konzern seine europäische Hauptniederlassung in Irland hat.

Missachtung der EU-Datenschutzgrundverordnung

Die Transkriptionspraxis des Internetpioniers war vor einigen Monaten bekannt geworden und sorgte umgehend nach der Aufdeckung für Furore, da sich der Konzern so Zugriff auf sensible, personenbezogene Daten verschafft hat. Der Datenschutzbeauftragte Caspar verwies in seiner Argumentation auf einen Fall in den Niederlanden, der kürzlich an die Öffentlichkeit drang und das ganze Verfahren erst ins Rollen brachte. Damals tauchten Mitschnitte von vernetzten Google-Home-Lautsprechern auf. Ein Whistleblower konnte aufschlüsseln, dass die Speaker auch Privatgespräche und intime Informationen aufzeichneten, die zum Teil auch wegen fehlerhafter Aktivierung des Google Assistants gestartet wurden. Somit wertete Google Sätze aus, die gar nicht für die Lautsprecher und den Sprachassistenten gedacht waren. Caspar erklärte daraufhin, dass er „erhebliche Zweifel“ habe, ob Google damit die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erfülle. Sie schreibt unter anderem vor, dass Nutzer über die Verwendung ihrer Daten zu informieren sind, um der Praxis zustimmen zu können. Ihm geht es vor allem „um eine transparente Aufklärung Betroffener“.

Der Internetriese selbst betont indes, dass die Auswertung persönlicher Daten immer anonymisiert abliefe und lediglich dazu diene, die Spracherkennung zu optimieren. Nach der Einleitung des Verwaltungsverfahrens erklärte ein Unternehmenssprecher jedoch, dass Google mit der Hamburger Datenschutzbehörde zusammenarbeiten werde, um zu prüfen, „wie wir zum einen Audioaufnahmen testen und zum anderen unseren Nutzern die Verwendung ihrer Daten besser erklären können“.

Nicht nur Google hört mit

Der Fall hat einen richtungsweisenden Charakter, schließlich lässt nicht nur Google die Aufzeichnungen seines Assistenten per Menschenhand auswerten. Auch Apples Siri und Amazon Alexa greifen auf gleiche Methoden zurück, um ihre Sprachassistenten zu verbessern. Daher schauen Datenschützer genau auf das Verfahren. Schließlich wird sein Ausgang einen Präzedenzfall für den weiteren Umgang mit Sprachanalysesystemen und ihrer Funktionsweise bilden.

Quelle: t3n, tagesschau.de.

arrow_upward